in der u-bahn

So eine morgendliche U-Bahnfahrt ist nichts für empfindliche Leute. „Geh weg, ich will da sitzen“, lallt mich ein Mann mit ausgeprägter Fahne an. Dabei ist er noch relativ freundlich zu mir. Einem anderen Fahrgast, der ihm den Weg versperrt, fragt er herausfordernd: „Håst a Problem, oder wüst‘ ans?“.

Es ist ziemlich erstaunlich, wie viele Leute bereits zu früher Stunde nach Alkohol riechen. Da haben sich wohl schon einige ein „Blechweckerl“ zum Frühstück gegönnt. Der „Untergrund“ ist sicher nicht die beste Seite der Stadt. Zur Stoßzeit dicht an einander gedrängt, spielt der Großteil der Fahrgäste mit ihren Smartphones, um bloß nicht ungewollten Blickkontakt herzustellen. Auch sonst scheinen viele bemüht, möglichst wenig Kontakt mit anderen zu haben, während einige wiederum unbeirrt auf Tuchfühlung gehen, entweder weil sie ihre Mitfahrer gar nicht wahrnehmen, oder weil ihnen offenbar nach kuscheln ist.

Hätte ich die Wahl, könnte ich mich schwer entscheiden zwischen dem bazillenschwangerem Geröchel im Winter und den freigelegten Schweißachseln im Sommer. So ärgere ich mich zu jeder Jahreszeit, dass ich es selten rechtzeitig aus dem Haus schaffe, um einfach überallhin, wo das innerhalb einer Stunde möglich ist, zu Fuß zu gehen.

Der Hauptgrund, warum ich das U-Bahn Fahren trotz heftiger Aversion dennoch regelmäßig auf mich nehme ist neben meiner mangelnden Disziplin natürlich der ständige Zeitdruck. Schließlich ist die Zeit beinahe immer knapp und kostbar. Selbst wer wie ich keine Uhr am Handgelenk trägt, hört den Sekundenzeiger irgendwo im Hinterkopf ticken und den Tag diktieren.

 

b.e.seidl

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