oh du fröhliche

Nur noch ein paar Tage bis Weihnachten. Das Kaufhaus ist randvoll mit hektischen Leuten, die schnell noch Geschenke besorgen. Schweißüberströmt zerre ich an meinem Pulli, der in den saunaartig aufgeheizten Räumen wie ein Neoprenanzug an mir klebt. Aus den Lautsprechern wummert bereits zum dritten Mal „Last Christmas“. Die Nerven liegen blank. In der Warteschlange vor den unterbesetzen Kassen spielen sich herzzerreißende Szenen ab.

Die Hände voller Gaben schwanke ich aus dem Kaufhaus, der überfüllten U-Bahn entgegen. Zuhause verstaue ich die Geschenke rasch im Kleiderschrank.

Was nun? Draußen ist es bereits stockdunkel, obwohl die Uhr erst kurz nach 16 Uhr anzeigt. Langsam macht sich ein hohles Gefühl im Magen bemerkbar. Noch viel deutlicher spüre ich Selbstmitleid in mir aufkommen.
Nach ein paar WhatsApp Nachrichten und kurzen Telefonaten habe ich Gleichgesinnte gefunden. Treffpunkt der Gruppentherapie: der Christkindlmarkt.

Hier endlich, zusammengekuschelt im Windschatten der Punschhütte, ein dampfendes Häferl voll Rum mit Zuckersaft in der Hand, lässt die Anspannung allmählich nach. Spätestens als die locker gewordene Runde mit lallenden Zungen Weihnachtslieder zu singen beginnt, spüre ich ihn auch langsam in unserer Mitte, den Geist der Weihnacht.

b.e.seidl

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